Ein Stillkampf – Meine Stillgeschichte

Lange habe ich nicht nachdenken müssen. Die Ideen worüber ich hier schreibe, kommen spontan. Dann setze ich mich für 5 Minuten hin und lege los…

 

Mein Stillkampf begann direkt mit Adrian‘s Geburt. Ich bekam ihn auf meine Brust gelegt und noch voller Aufregung dachte ich nicht mal daran ihn anzulegen, obwohl ich weiß wie wichtig es in den ersten Minuten ist, das Baby an die Brust zu legen.  Und so lag er da auf mir und wir kuschelten mit meinem Herzmann zu dritt. Nach halber bis Dreiviertelstunde legte ich ihn kurz an, er nahm die Brust nicht an und lies sein Mund offen ohne zu saugen. Ich wollte ihn nicht überfordern – so dachte ich. Ein paar Stunden später versuchten wir es erneut, doch es klappte wieder nicht. Die Hebamme machte mir Mut und erzählte, dass der Milcheinschuss meist nach 2 bis 3 Tagen kommen wird und die Babys bis dahin auch ihren Saugreflex entwickeln. Die Säuglingsschwestern machten jedoch Druck und zwangen Adrian an meiner Brust schreiend zu trinken. Er wollte nicht. Ich lies ihn in Ruhe, aber ich habe nicht aufgegeben. Ich habe mich ins Stillzimmer gesetzt und versuchte abzupumpen, doch mehr als den Boden zu bedecken kam dabei nicht raus. Ich war verzweifelt darüber, dass ich keine Milch hatte. Es ist doch viel zu wenig, dachte ich. Nun ja… Ich fragte mich warum das so ist und hat Mutternatur uns doch nicht dafür ausgestattet, dass wir unsere Kinder ernähren können? Die ganze Schwangerschaft war ich davon ausgegangen und fest überzeugt: ICH WERDE STILLEN! Ich verurteilte in Gedanken andere Mütter die es nicht mal versucht oder gleich nach einem Monat wieder aufgegeben haben. Das Stillen ist doch das Beste. Warum sich viele dagegen entscheiden, war mir nicht klar. Warum sich sogar einige Frauen davor ekeln, genauso wenig. Unsere Gesellschaft kennt mittlerweile „die Titten“ als ein Sexobjekt und nicht als etwas Natürliches, womit wir unseren Kindern das Beste liefern. Inzwischen verurteile ich keine Frauen die nicht stillen oder es nicht versuchen. Ich akzeptiere es und respektiere deren Entscheidung. Das hat sich erst geändert, als ich den Kampf selbstständig angetreten bin. Ich recherchierte wie viel Babys in welcher Lebenswoche trinken. Nicht mehr als ein Schnapsglas am Anfang, d.h. meine Tröpfchen Muttermilch sollten ausreichend sein. Wir versuchten ihn zu Beruhigung einen Schnuller zu geben und siehe da, es hat geklappt. Er nahm ihn und saugte daran. Ich war sehr froh und versuchte ihn direkt an meine Brust zu nehmen. Leider blieb sein Mund nur offen und er machte keine Saugbewegung. Als ob er den Reflex nicht hätte. Ich bekam ein Stillhüttchen und probierte es weiterhin damit. Mal klappte es, mal nicht. Am Entlassungstag war Adrians Billirubinwert grenzwertig erhöht und die Säuglingsschwester riet uns noch einen Tag zu bleiben, doch ich wollte endlich zu Hause sein und dort in Ruhe meinen Stillversuchen weiter nachgehen. Die Tage waren hart. Sehr hart. Zu Hause angekommen bekam ich den lang ersehnten Milcheinschuss! Hurraaa! Doch damit kam auch mein erster Milchstau! Zu meinem Unwissen behandelte ich es mit kalten Kompressen und wusste nicht, dass ich mich damit von der Milch verabschiede. So schnell die auch kam, so schnell war die wieder weg und bei meinen Abpumpversuchen kamen höchstens 20 – 30 ml am Tag! Ja, am Tag! Ich betone das so, denn einige pumpten schon 20 ml nach 5 Minuten von einer Brust ab. Ich nicht. Eine Unterstützung seitens meiner Familie suchte ich vergebens und so bekam ich nur Sprüche zu hören, dass ich zu wenig Milch habe, die nicht nährstoffreich genug ist und nicht fett genug ist. Ich solle zufüttern. Keiner kam und half mir dabei, mich in der Stresssituation zu unterstützen. Ich saß jeden Tag stundenlang auf dem Sofa mit Baby im Arm, angedockt an meiner Brust, denn dort fühlte er sich am wohlsten und ich wusste er holt sich das was er braucht. Ich richtete mich nach den Windeln. Ca. 6 bis 8 volle Windeln am Tag, wo beide Geschäfte verrichtet waren, waren für mich das Zeichen, er bekommt die Milch von meiner Brust. Einmal wöchentlich kam die Hebamme zur Gewichtskontrolle. Adrian nahm jede Woche etwas zu. Nicht viel und etwas drunter als der Durchschnitt, aber sein Gewicht war immer im Plus. Anbei muss ich anmerken, dass ich es an unserer Gesellschaft nicht verstehe, warum die Babys und Kinder, sogar oft Erwachsene, an der Größe und dem Gewicht verglichen werden? Es macht mich total verdutzt, warum das so geschieht. Was wollen wir uns dadurch beweisen? Na ja. Zurück zum Thema. Dass Adrian zunahm gab mir Hoffnung und Mut weiter zu machen. Ich pumpte nicht mehr ab, damit er jedes Tröpfchen bekommt. Jedes Tröpfchen aus meiner Brust war wertvoller als Gold. Mein Herzmann unterstützte mich im Haushalt wo er konnte. Das kann ich ihm nicht genug danken, er tat wirklich alles was ich ihm aufgetragen habe. Er bekochte mich und kümmerte sich um die Küche und Haushalt. Ich bekam wieder Freude und entspannte mich, und damit löste sich mein Gedankenwirrwarr um das Stillen. Ich war eingeübt, ich stillte ohne mehr darüber nachdenken zu müssen. Die Milch lief. Ab dann ist es mir klar geworden, dass das Stillen nichts anderes ist als Kopfsache! Doch dann wieder, Anfang Dezember, etwa 10 Wochen nach der Geburt, kam der Milchstau vom feinsten. Mit 40ºC Fieber, Schüttelfrost, hartem Knubbel in der Brust und meiner Verzweiflung. Ich war kurz davor wieder aufzugeben. Adrian trank nur das, was er gebraucht hat. Der Rest blieb in meinen Brüsten und das machte es alles nicht besser. Nach zwei Tagen hatte ich es überstanden. Mir ging es wieder besser und die Milch lief wie noch nie. Ende Januar, Anfang Februar machte ich mir Gedanken darüber, wann wir mit Beikost starten sollen. Na ja, mehr oder weniger dazu getrieben durch meine Familie, denn die fragte schon ganz besorgt danach. Ich hätte schon mit Ende des dritten Monats Brei wie verrückt gegessen. Das heißt aber nicht, dass Adrian es auch muss. Beikostthema werde ich in einem anderen Beitrag verfassen. Ich wollte nicht zu früh damit anfangen, da ich gerade die Stillzeit genießen konnte. Warum etwas verändern wenn es gut läuft? Es sind jetzt 7 Monate vergangen. Fast 7 Monate, genau gerechnet in 5 Tagen. Viele hätten schon lange aufgegeben, ich nicht. Trotz unserer Probleme und Schwierigkeiten stille ich. Ja immer noch mit Stillhüttchen und ich gebe auch manchmal die Flasche dazu. Dazu habe ich mich auch sehr lange nicht überwinden können. Warum habe ich es am Ende doch getan? In Schubphasen brauchen unsere Babys mehr, da hatte uns oft eine kleine 90ml Flasche als Einschlafhilfe geholfen. Die Hilfe kam genau dann, als meine Brüste sich leer anfühlten und ich erneut gestresst im Bett saß. Total unnötig, denn ich weiß: Stillen ist eine Kopfsache. Aber alleine schaffen wir es oft einfach nicht, uns in solchen Momenten daran zu erinnern und zu entspannen. Jetzt komme ich an den Punkt langsam abzustillen. Wenn ich diese Zeilen schreibe bekomme ich einen Kloß im Hals und Pippi in den Augen. Ich werde es vermissen. Die Schmatzgeräusche, die großen Augen die mich von unten beim Stillen anschauen, die kleinen Händchen die meine Brust und meinen runterfallenden Zopf streicheln und das Gefühl, dass ich meinem Kind das Beste gebe. Als Mutter handeln wir oft aus dem Herzen heraus und nach Gefühl. Unser Sinn für Intuition. Ich fühle jetzt, dass der Zeitpunkt dafür gekommen ist und ich habe keine Zweifel mehr. Mein Weg war schwer, aber es hat sich mehr als gelohnt und dafür bin ich mir selber dankbar…

 

Foto von Viktoria Bröring
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2 Kommentare

  1. Leas_mama_30 sagt: Antworten

    Sehr schön geschrieben Toll das du so fürs stillen gekämpft hast. Es freut mich das es dann so gut geklappt hat.
    Ich konnte leider nicht stillen,da ich keine Milch hatte. Wenn ich heute stillende Mamis sehe wird mir immer wieder bewusst welch schöne Erfahrung ich nicht machen konnte. Ich hoffe das ich dieses Wunder irgendwann nochmal erleben kann.

    1. fieska sagt: Antworten

      Danke für Deine lieben Worte Annika. Das finde ich wirklich traurig, vor allem wenn man es sich so sehr wünscht. Alles Gute und ich wünsche mir für Dich, dass Du irgendwann die Erfahrung auch noch erleben kannst.

      Liebe Grüße.

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