Mein Alltag – meine Kindheit!

Eine Woche ist mein Blog schon online und ich habe es immer noch nicht geschafft, etwas zu posten. Kein erfolgreicher Start, das stimmt. Allerdings geht es mir dabei nicht darum erfolgreich zu werden. Vielmehr möchte ich einfach einen Ort haben, wo ich in Ruhe mein öffentliches Tagebuch führen kann. Wo ich einfach das schreiben kann, was mich gerade beschäftigt. Wenn es am Ende jemand liest, wird es mich freuen, aber ich möchte es nicht davon abhängig machen. Nun ja, was hat mich denn diese Woche so beschäftigt?

Wir waren viel unterwegs, hatten viele Termine und da bleibt die Zeit online zu sein nicht über. Zum ersten Mal blieb Adrian eine halbe Nacht mit meiner Mama und meiner Schwester alleine. Ich habe ihnen die Aufgabe überlassen, ihn schlafen zu legen. Das ist noch nie passiert seit er auf der Welt ist. Ich war seitdem noch nicht aus. Nicht abends ohne Baby. Als ich und Florian am Freitagabend das Haus verlassen haben, war ich eh sehr emotional. Mein Outfit stimmte nicht und das Gefühl ohne Baby und nur zur zweit unterwegs zu sein, empfand ich als sehr leer. Ich dachte die ganze Zeit nur daran, wird alles gut laufen? Wird er nach mir suchen oder merkt er nicht, dass ich nicht da bin? Schon den ganzen Tag zuvor hatte ich das Gefühl, er weiß bestens Bescheid. Er hat viel gequengelt und lies mich nichts alleine machen. Der kurze Abschied am Abend ging dafür aber problemlos. Adrian war gesättigt und spielte mit meiner Mama. Den ganzen Abend kreisten meine Gedanken zu 98% darüber, ob zu Hause alles gut ist. Ob Adrian gut schläft. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf dem Heimweg. Ich schrieb meiner Mama eine Nachricht, dass wir nun zurück fahren und in ca. 45 Minuten da sind. Zurück kam eine Antwort von meiner Schwester, dass Adrian nun wach ist und weint. Dies bestätigte nun mein Gefühl. Während der Autofahrt erinnerte ich mich zurück an meine Kindheit… Ich kann mich nicht an die Zeit erinnern als ich noch Baby war, aber dafür an die Zeit ab dem Kleinkindalter. Wer es noch nicht weißt, ich komme aus Polen. Seit ich aber denken kann, arbeiteten meine Eltern in Deutschland. Pendelten meist 700 km ein oder zweimal monatlich für ein paar Wochen hin und her. Wo ich zu der Zeit war? Bei Oma. Mal bei der einen und mal bei der anderen. Ich wurde also schon ziemlich früh von der Omaliebe verwöhnt. Meine Eltern versuchten die Wochen, die sie nicht da waren, mit teuren Spielzeugen und Süßigkeiten zu kompensieren. Es machte mir also auch nichts aus, ob sie da waren oder nicht. Ich habe sie auch nie großartig vermisst. Auch wenn das jetzt sehr hart klingt und es mich ungemein traurig macht. Ich erinnere mich an einen Abschied. Meine Eltern machten sich wieder für den Aufbruch bereit. Meine Mama war sehr traurig und weinte. Noch einmal nahm sie mich an sich ran, drückte ganz doll und küsste die Stirn. Sie fragte mich, ob ich sie vermissen würde: „Nein Mama. Ich hab doch Oma.“ Und lächelnd ging ich ins Zimmer und spielte mit meinen Sachen. Heute weiß ich wie schmerzhaft sich das anfühlt, das eigene Kind alleine lassen zu müssen. Es ist wie ein Stich in die Brust, direkt ins Herz und nimmt auch den Atem weg. Damals war es mir nicht bewusst, es war keine Absicht wie ich reagiert habe. Ich wartete am Fenster und winkte so lange bis sie weggefahren waren. Mein Alltag war der Alltag meiner Großeltern. Trotzdem hatte ich eine wunderschöne Kindheit. Ich freute mich immer darauf, wenn meine Eltern aus Deutschland wieder kamen. Es war immer eine Überraschung. Ich wusste nie wann sie wieder kommen und Oma erzählte es mir nicht, wenn sie auf dem Weg waren. Meistens nachts wurde ich von Küssen mit den Worten geweckt: „Hallo Töchterchen, Mama und Papa sind wieder da.“ Ich freute mich riesig und erinnere mich bis jetzt an den Geruch meiner Mama. Der Geruch einer kalten Lederjacke, vermischt mit Zigarettenrauch und Calvin Klein Parfüm. Ab dann war das Schlafen wieder abgebrochen. Wir setzten uns in die Küche, Oma bereitete das nächtliche „Frühstück“ und sie erzählten wie es war. Ich saß auf dem Schoss und hörte gespannt zu. An wieder einzuschlafen war nicht mehr zu denken. So ging es bis in den Morgen. Ich wollte gleich direkt mit beiden etwas unternehmen. Papa musste meistens am Tag wieder etwas erledigen, während Mama sich den Tag etwas ausruhen konnte und ihre Sachen ausgepackt hat. Ich war dann brav mit Papa unterwegs und begleitete ihn überall auf Schritt und Tritt. Nachmittags stieß meist Mama zu uns und dann gingen wir einkaufen oder Tanten zum Kaffee besuchen. Nach ein paar Tagen mit großem Trubel, Unternehmungen und spannender Zeit, fuhren sie wieder weg… und ich blieb bei Oma.

Ich erinnerte mich an diese Zeit, während mein Sohn mit seiner Oma zu Hause war und ich dachte daran, ob die Angst tief in mir drin steckt. Aber warum und wovor hatte ich die Angst? Es sind die Fragen, die ich mir selber nicht erklären kann. Es ist aber das Erlebte und das was wir immer besser machen möchten. Jetzt stellt sich wieder die Frage, wäre es denn anders besser?

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3 Kommentare

  1. Lisa sagt: Antworten

    Schön geschrieben! Ich wünsche dir einen guten Start mit deinem Blog…. Es steckt ja doch immer viel Arbeit drinnen. Ich hatte auch mal überlegt einen zu machen, dann aber doch nicht damit angefangen. Daher drücke ich dir beide Daumen!! Viele Grüße Lieblingskind.des.Zufalls

    1. fieska sagt: Antworten

      Vielen lieben Dank für Deine Worte :*

  2. Leas_mama_30 sagt: Antworten

    Sehr schön geschrieben . Es regt allgemein zum Nachdenken an . Danke für deine offenen und ehrlichen Worte. Viel Erfolg mit deinem Blog.

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