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  • Ein Tag im Urlaub

    Es ist schon eine Weile her, aber trotzdem beschäftigt mich es weiterhin. Ich habe hier angekündigt im zweiten Teil unseres Urlaubs zu erzählen, wie unser Zusammenstoß mit dem polnischen Gesundheitssystem abgelaufen ist.

    Nun nachdem wir am Mittwochmorgen aufgewacht sind und an dem Tag es vor hatten meine Oma zu besuchen, bemerkte ich, dass es Adrian zunehmend schlechter geworden ist. Er hustete, war verschnupft, müde und hatte Durchfall. Ich fragte an der Rezeption wo die nächste Arztpraxis ist und die nette Dame hat uns an Ende der Straße hingewiesen.

    Ich habe schnell im Internet recherchiert und gefunden, dass ein Kinderarzt Mittwochs ab 10 Uhr eine Sprechstunde hat. Angekommen in der großen Praxis muss man sich erst „registrieren“ (anmelden). Die Krankenschwester verwieste uns direkt zum Kinderarzt. „Er müsse noch da sein, gehen sie direkt zu ihm ins Zimmer.“ Ich klopfte an seiner Tür und ging rein. Er schaute uns an mit einem großen Fragezeichen im Gesicht durchmischt von einem unfreundlichen Blick. Ich schilderte Adrians Zustand und sagte direkt dazu, dass wir aus Deutschland kommen und Adrian dort auch versichert ist.  Nun ja ab da bekam ich einen Blumenkranz an Schimpfwörter hingeworfen. Er stand auf, zog sein Mantel aus und ging raus zur Tür und wedelte mit seinen Armen um uns wegzuscheuchen. Wir gingen den Flur hinter ihm her da er die ganze Zeit was vor sich hingemurmelt hatte. Ich versuchte mich zu entschuldigen und sagte, dass uns die Krankenschwester an der Anmeldung zur ihm hingeschickt hatte. Er ging weg. In mir ein Chaos der Gefühle. Fassungslosigkeit, Wut und Enttäuschung. Auf dem Rückweg übersetzte ich das Gespräch an Florian. Mir kamen die Tränen in die Augen und mein Mamaherz weinte, weil ich nur meinem Sohn helfen wollte. Mist! Warum gehöre ich nicht zu der Menschengruppe die schlagfertig eine passende Antwort bieten kann? Warum habe ich mich entschuldigt, ich blöde Kuh! Der Idiot hätte es verdient genauso von mir behandelt zu werden. Doch ich war sprachlos, weil ich mit dieser Reaktion nie gerechnet habe. Ein Arzt der das Eid des Hippokrates geschwört hat, hat uns in dem Augenblick mit einem kranken Kind auf dem Arm stehen gelassen. Ich fühlte mich erniedrigt. Daraufhin dachte ich nur wie naiv ich wäre. Und die ganzen Artikel und Geschichten von Freunden über das polnische Gesundheitssystem stimmen also doch. Da steh ich plötzlich – Mitten in der Realität! Willkommen in Polen! Meine Fassungslosigkeit nahm kein Ende. Wir haben beschlossen doch zu meiner Oma zu fahren und vielleicht kann ich dort zu meiner ehemaligen Kinderärztin. Sie kennt einige Ärzte und Krankenschwestern. Er wird sicherlich kein Problem geben.
    Nach zweistündigen Fahrt waren wir endlich bei meiner Oma. Adrian war wieder gut gelaunt, aber trotzdem wollte ich es gern abklären lassen. Meine ehemalige Kinderärztin ist leider nicht mehr da. Ich rief in einer Praxis an um dort erstmal nachzufragen, ob es möglich wäre gleich vorbei zu kommen. Und wieder bekam ich eine prall gefüllte Tüte polnischer Freundlichkeit zu spüren! Als ich der Krankenschwester unsere Lage geschildert habe bekam ich zuerst als Antwort „warum rufen Sie jetzt erst um 15 Uhr an?“ Ich bin fast vom Stuhl gefallen. Wie kann Sie mir jetzt Vorwürfe machen? „Die Sekretärin hat jetzt Feierabend und vielleicht muss man ja was kopieren oder was erledigen, wenn ein Kind krank ist, meldet man sich morgens damit und wartet nicht bis zur Nachmittag!“
    – hörte ich wieder vorwurfsvoll am Telefon. „Wieso machen Sie mir jetzt Vorwürfe? Ich frage nur danach ob ein Arzt da ist und ob er uns Hilfe leisten würde. Ich habe ein krankes Kind und wann ich mich damit melde, ändert es nichts an der Tatsache!“ – ziemlich genervt antwortete ich zurück. „Vielleicht ist ein Arzt da, vielleicht nicht. Man muss sicherlich die Patientenkarte kopieren und ich habe jetzt keine Sekretärin hier.“
    Ich kam mir vor wie im falschen Film. Bin ich bei versteckter Kamera? Ich war so voller Wut und Enttäuschung, dass ich mich dieses mal nicht zurück halten konnte und der Frau noch gewünscht habe, ebenfalls so freundlich behandelt zu werden, ich werde eine Beschwerde über sie einreichen. Aufgelegt.
    Ich war schon kurz davor aufzugeben und die Entscheidung zu treffen, wir fahren wieder nach Deutschland, nach Hause. Aber Adrian ging es nicht gut und ihm zu liebe, startete ich ein Drittes Versuch in der nächsten Praxis. Dort gingen wir dieses mal einfach dahin. Angekommen hat uns eine freundliche Arzthelferin angeboten zu warten oder in der privaten Praxis zu versuchen. Wir gingen dahin und halbe Stunde später kam die Kinderärztin. Sehr freundlich und fassungslos über das Verhalten ihrer Kollegen. „Es ist doch keine Ursache den Pass und die Krankenkarte zu kopieren.“
    Für einige Ärzte scheinbar doch. Ich will jetzt hier nicht verallgemeinern. Ich vermute, wenn ich mit einem Briefumschlag mit ein paar Euroscheinen gekommen wäre, wäre alles kein Problem und wir hätten direkt in der ersten Praxis Hilfe bekommen.
    Wichtig ist, dass es Adrian am Ende wieder gut ging und wir weiterhin die Tage dort verbringen konnten.
  • Mamasein
  • Mamaüberlebenspaket 

    Als frischgewordene Eltern ist man in den ersten Tagen noch voller Adrenalin und Freude, das kleine Lebewesen endlich in den Armen halten zu können. Doch die ersten schlaflosen Nächte und anstrengede Tage sind sehr schnell da. Man ist schnell wieder im Alltag drin und der Haushalt will auch gemacht werden. Die Wäscheberge stappeln sich, die Küche bleibt unaufgeräumt, aus dem Wohnzimmer wird ein Schlaf- und Babyzimmer. Wer kennt das nicht? Dann kündigen sich die Freunde und Familie um den neuen Erdenbürger kennen zu lernen und die Neumama bekommt sichtlich Panik den so, kann uns doch keiner besuchen.

    Seit fast einem Jahr bin ich Mama und ich weiß jetzt, dass ich vieles anders machen würde und vieles sicherlich anders betrachte. Ich habe es Tausend mal gehört: „Entspann Dich und genieße das Wochenbett!“ Pustekuchen! „Ich bin doch die perfekte Hausfrau und Mutter. Ich schaffe das, beides unter einem Hut zu bekommen und werde es auch Allen zeigen!“
    Jetzt ärgert es mich, dass ich damals es so streng gesehen habe. Besuche und Geschenke sind schön und gut, aber mir hätte es mehr geholfen, wenn ich paar Stunden Schlaf hätte und in der Zeit sich jemand um Adrian kümmert. Oder noch besser, morgens ein schönes Frühstück oder mittags eine leckere warme Mahlzeit. Klingt alles sehr einfach, es war für mich aber alles andere als einfach. Ich saß stundenlang mit Adrian auf dem Arm ohne Duschen gehen zu können, denn er brauchte es gerade gestillt zu werden. Meine Stillgeschichte ist ein Thema für sich und das könnt ihr hier nachlesen. Na ja, auf Verständnis der Familie bin ich nicht gestoßen. Stattdessen hörte ich nur Vorwürfe, was ich alles falsch mache. Mir aber dabei zu helfen es richtig zu machen, hat keiner dazu beigetragen. Ja, einige die das jetzt lesen denken, „man warst du zu blöd um das Baby einfach abzulegen, die paar Minuten Schreien sind gar nicht schlimm“. Doch es ist schlimm, denn wenn ein Baby weint, hat es immer ein Grund. Ein Baby einfach schreien zu lassen vermittelt nicht die Geborgenheit und Wärme die die Kleiben brauchen. Schreien bedeutet für Babys Stress und Stress bewirkt jede Menge. Ich zeige es am Erwachsenen Beispiel um es einfach zu verdeutlichen. Wir arbeiten viel, sind dauer gestresst und kommt unser lang ersehnter Urlaub werden wir krank. Abgesehen von Gefäß und Herzerkrankungen und Hormonstörungen die Stress noch hervorruft, macht es jede Menge mit unserem Körper. Wir wollen ja nur das Beste für unsere Babys und es absichtlich Stress auszusetzen, das ist keine gute Lösung.
    Worauf ich hinaus will und warum mein Titel jetzt Mamaüberlebenspaket heißt. Ich möchte jeder Neumama oder werdenden Mama und oder auch der Nicht-Eltern Mitleser es auf dem Weg geben, was ihr am Besten schenken könnt oder euch wünscht.
    Wollt ihr das kleine Baby besuchen? Kaffee und Kuchen müsst ihr euch selber mitbringen 😉

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  • Unser Reisebericht – Świnoujście Teil I

    Ahoi! Da sind wir wieder und wie versprochen auch Unser Reisebericht. Munter und frisch erholt aus unserem Urlaub zurück. Wie ich im letzten Beitrag ein paar Tipps aufgeschrieben habe, kann ich es heute definitiv noch ergänzen. Man merkt ja erst vor Ort was man alles vergessen hat und was man hätte noch mitnehmen können.

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    Nun ja, unser Ziel war Swinemünde oder wie die Deutschen sagen, die polnische Seite von Usedom. Wie kam ich auf diesen Urlaubsort? Spontan. Mir schwirrten in Gedanken vorerst Städte wie Danzig und Sopot. Übrigens auch sehr schöne Orte für einen Familien Sommerurlaub. Wir, oder besser gesagt ich, entschied mich aber dagegen. Mit einem Baby eine 10 Stunden Fahrt wäre eine Herausforderung schlechthin, die höchstwahrscheinlich sich in eine 13 Stunden Fahrt heraus zögern würde. Die Variante zu fliegen wäre dafür sicherlich optimal, aber die Anbindung bei uns in der Nähe ist auch nicht besser und wenn, dann kosten die Flüge das 3-4 fache an dem was wir für eine Reise ausgeben würden.

    Um aber doch ein günstiges Urlaub am Strand machen zu können, haben wir uns für Swinemünde entschieden. Schnell fand ich eine Unterkunft für uns Drei. 380 Zloty pro Nacht mit Frühstück und kostenlosem Parkplatz hinter dem Haus. Top! Am Ende werde ich euch noch verraten was der komplette Urlaub gekostet hat. Persönlich finde ich es immer auch sehr interessant es zu erfahren, was man dafür ausgibt, finde es aber schade, dass Alle daraus ein Geheimnis machen.

    Zurück zur Swinemünde. Ich nenne es Saint Tropez Polens. Die Einfahrt in die Stadt erinnerte mich an den Hafen von dem kleinen französischen Ort. Und zwar erstrecken sich die Häuser und der lange Fußgängerweg am Hafen, sehr ähnlich wie in Saint Tropez. Ich war sofort verliebt. Angekommen in unserer Unterkunft begrüßten uns die Besitzer ganz herzlich. Alles sehr familiär gehalten. Alles frisch, neu und sauber. Die Besitzerin bot uns an, für Adrian ein Reisebettchen zu geben. Dies war aber nicht nötig, da unser Wurm eh immer mit uns liegt. Am ersten Abend machten wir noch einen kleinen Spaziergang in die Innenstadt um dort das Geld wechseln zu können und paar Kleinigkeiten zu besorgen. Informiert euch am besten vorher im Internet wie der Wechselkurs ist. Am Anfang der Stadt gibt es auch Wechselstuben, es wird aber deutlich weniger angeboten. Auch in einigen Geschäften und Restaurants kann man in Euro bezahlen. Der Kurs dort liegt aber auch deutlich drunter. Das Geld aus einem Bankautomaten zu holen ist ebenfalls eine Möglichkeit, aber dort ist der Kurs und die Gebühren dazu nicht vorteilhaft für den Urlauber und am Ende verliert man nur unnötig Geld, was man ja vielleicht noch woanders ausgeben kann. So viel zum Finanziellen. Nun, nachdem wir erfolgreich eine Wechselstube gefunden habe und ich den Kurs noch um 4 Groschen verhandelt habe, haben wir uns auf dem Weg in ein Geschäft gemacht um paar kleine Einkäufe zu erledigen. Eigentlich haben wir das gekauft, was ich vergessen habe, sprich Spülmittel für Adrians Flaschen und Sauger, polnische Gurken (die sich Florian gewünscht hat) und dazu natürlich Salz, Deo für mich, Getränke und etwas zum Knabbern für den Abend.

    Am nächsten Tag nach einem sehr ausgiebigem Frühstück, machten wir ein Spaziergang um die Umgebung und etwas geschichtliches zu erkunden. Ich muss ehrlich zugeben, kurz vor unserem Urlaub, kam mir der Gedanke aus platztechnischen Gründen einen kleinen Buggy zu kaufen. Zum Glück hat mich Florian davon abgehalten und wir haben unser Kinderwagen mitgenommen. Er ist wirklich goldwert und das hier ist jetzt keine Werbung sondern reine Empfehlung. Er hat einen sehr schönen großen Korb (was ich auch von Vorteil nutze, wenn wir einkaufen gehen), gute Federung an allen Rädern und er ist somit auch sehr wendig und leicht zum Schieben. Gut eins geb ich zu, als wir zum Strand aufgebrochen sind, war es nicht möglich es alleine zu schieben, sondern wir haben ihn dahin gezogen, aber welcher Kinderwagen lässt sich am Strand schieben?

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    Zusätzlich zum Kinderwagen hatten wir auch unsere Babytrage. Da ich gerne auf alles vorbereitet bin, nahm ich die mit und sie kam auch nicht nur einmal zum Einsatz. Nach paar Stunden Spaziergang im Kinderwagen, wird es auch mal langweilig nur zu Sitzen und da ist Tragen eine gute Alternative. Wir nutzen die normale Trage von Ergobaby.

    Am darauffolgenden Tag unseres Urlaubs, machten wir uns mit Fahrrädern und einem Fahrradanhänger auf zur nächsten Erkundungstour durch Swinemünde. Tja, das war keine gute Idee. Zumindest fand Adrian die Idee nicht besonders gut. Als wir mit der Fähre auf die andere Seite von Swinemünde gefahren sind, kam der Punkt in dem Adrian anfing unruhig zu werden und geweint hat. Schlafen war für ihn nicht möglich, da es zu doll geruckelt hat. Ich glaube aber auch, dass seine Laune durch die durchschießende Zähne und die Erkältung auch noch geprägt war. Als wir am Leuchtturm ankamen, schlief Adrian in der Trage ein und dann kam mir die geniale Idee den Leuchtturm zu besichtigen. Mit zehn Kilo am Rücken. Mehr als 300 Stufen um den Ausblick zu genießen. Bereits nach 120 war ich k.o. und dachte ich wäre schon ganz oben. Dies ist mir aber erst klar geworden als ich paar Tage später die Fotos angeschaut habe. Leider war da keine Ostsee zu sehen, sondern nur die Swine und wer jetzt lachen muss, gerne. 😀

    Den Rückweg verbrachte Adrian in der Trage. In der Villa angekommen fielen wir alle ganz müde ins Bett. Vor allem Adrian war wirklich nicht gut drauf. Er röchelte und sein Husten würde schlimmer. Wir beschlossen am nächsten Tag einen Arzt aufzusuchen. Die Geschichte dazu kommt im nächsten Beitrag.

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    Was ich hier aber verprochen habe sind noch die paar Tipps.

    • Spülmittel, Schwamm und Geschirrtuch. Daran habe ich gar nicht gedacht, fand ich aber schon es gut zu haben. Vor allem wenn man öfter am Tag die Fläschen oder Schnuller sauber machen möchte.
    • Rucksack. Ich bin gewöhnt immer mit Kinderwagen und Wickeltasche loszugehen. Wir haben ein Tag ohne Kinderwagen verbracht um auf ein Segelschiff zu gehen und einiges zu erkunden, wo wir mit Kinderwagen nicht hinkommen. Die schwere Wickeltasche auf einer Schulter zu tragen war eher lästig, da hätte ich mir ein Rucksack gewünscht.